Flammen vernichten Grenzbasar
Von OderBLOG | 11. Januar 2007 | Kategorie: Brennpunkt | Keine Kommentare »Händlerin: «Wir haben alles verloren»
Slubice/Frankfurt (Oder)/dpa. Grauer Qualm steigt über dem großen Grenzbasar im polnischen Slubice auf, verzweifelte Händler drängen sich an der Absperrung. Von den Marktständen sind nur noch Metallgerippe übrig geblieben, an denen verkohlte, angeschmolzene Dachteile herabhängen. Der bei deutschen Einkaufstouristen beliebte Markt nahe Frankfurt (Oder) ist in der Nacht zu Donnerstag in einem Flammenmeer niedergebrannt. «Wir haben nichts mehr, alles ist verbrannt», sagt eine junge Frau, die seit 15 Jahren auf dem Markt gearbeitet hat. «Jetzt habe ich auch keinen Arbeitsplatz mehr.» Tränen rollen ihr übers Gesicht.
Wie sie kommen am Morgen nach dem Großbrand mehr als 1000 Händler zu dem Platz, wo in der Nacht mehr als 200 Feuerwehrmänner aus Deutschland und Polen gegen die Flammen gekämpft haben. «Wir haben alles verloren», erzählt eine Frau fassungslos und kann kaum weitersprechen: «Es ist eine Tragödie.» Von den 1200 Marktständen, an denen sich täglich hunderte meist deutsche Käufer vorbeischoben, ist nichts geblieben. Weihnachtsbaumkugeln und eine EU-Flagge baumeln an einem Stand im Wind. Das Stadtoberhaupt Ryszard Bodziacki sagt Unterstützung zu und ruft zu Hilfe für die Geschädigten auf.
«Viele Menschen haben ihren gesamten Besitz verloren», berichtet der Slubicer Feuerwehrsprecher Dariusz Zoladziejewski. Die Kleinhändler sind in der Regel nicht gegen solche Katastrophen versichert. Das Feuer hatte sich in der Nacht rasch auf die gesamte Fläche ausgebreitet. Die Feuerwehren konnten immerhin verhindern, dass die Flammen eine Tankstellen erfassen. Das Wasser in den Hydranten am Markt war am Ende so knapp, dass Frankfurter Löschtrupps mehrmals auf deutscher Seite auftanken mussten.
In der Feuersbrunst explodierten zahlreiche kleine Gasflaschen in den Buden, mit denen sich die Händler Tee und Kaffee kochten. Auch Restbestände von Silvesterböllern gingen in die Luft. «Es war wie ein einziges großes Feuerwerk», berichtet ein Mittfünfziger.
Die Ursache des Großbrandes ist noch unklar, doch kursieren Vermutungen. Ein Passant meint, es sei bei Renovierungsarbeiten mit offener Flamme in einer Frisierstube zum Funkenflug gekommen.
Stadtsprecherin Irmina Balcerek-Malina schätzt den Sachschaden auf «viele Millionen Zloty». Rund 6000 Menschen seien ohne Arbeit und Handelsware. Der Markt sei der größte Arbeitgeber der Stadt. «Der durchschnittliche Wert der Ware auf einem Stand betrug 30 000 bis 120 000 Zloty (7700 bis 31 000 Euro). Das ist alles in Rauch aufgegangen», sagt Balcerek-Malina. Doch der Markt soll wiederaufgebaut werden, was ihren Angaben zufolge 10 bis 15 Millionen Zloty kostet. Es werde bereits nach einem neuen Standort gesucht.
Trotz der Flammen und bei starkem Wind und Regen ist es einigen Händlern gelungen, Waren aus dem brennenden Markt zu tragen. So türmten sich Kinderwagen und Korbwaren am Rande des brennenden Areals. Am Morgen zeugen nur noch zertretene Kartons und im Schlamm liegende Modepuppen von dem Wettlauf mit der Zeit. In die gedämpfte Stimmung hinein ist aber auch Optimismus zu vernehmen. Das Händlerpaar Zofia und Czeslaw denkt an einen raschen Neuanfang. «Spätestens im April wollen wir wieder arbeiten», sind die Textilhändler überzeugt. «Es muss weitergehen, wir fangen neu an.»
Quelle: http://www.mz-web.de
ähnliche Artikel
- No related posts