Betonklotz im Stadtzentrum von Frankfurt (Oder)
Von OderBLOG | 13. April 2007 | Kategorie: Brennpunkt, Wirtschaft | Keine Kommentare »Kommune hat kein Glück mit neuem Einkaufszentrum / Eröffnungstermin von überdimensionierter Kaufhalle völlig unklar…
Ein riesiger grauer Betonklotz steht mitten im Frankfurter Stadtzentrum. Das hässliche Bauwerk mit den schiefen, leeren Fensterhöhlen ist kein Plattenbau-Relikt aus DDR-Zeiten, sondern ein hausgemachter Schandfleck, entstanden nach der Jahrtausendwende.
Zugegeben, noch ist der unförmige Kasten ein Rohbau. Ginge es nach den Investoren, würde sich an der hässlich-grauen Fassade jedoch auch künftig nicht mehr viel ändern.
Was aussieht, wie ein verunglücktes Bau-Experiment, soll Frankfurts neues innerstädtisches Einkaufszentrum werden. Und das war schon in der Planungsphase heftig umstritten. Gibt es mit dem Oderturm-Komplex und den angrenzenden Lenné-Passagen doch schon einen Konsumtempel mit einer Vielzahl von Geschäften und gutem Branchenmix. Für mehr Läden würde die Kaufkraft in der einwohnertechnisch immer kleiner werdenden Oderstadt gar nicht ausreichen, monierten Kritiker. Das neue ‚Quartier konsument“ soll jedoch das alte konsument-Warenhaus aus DDR-Zeiten ersetzen, das nach der Wende über Jahre leer stand und dann abgerissen wurde.
Viele Frankfurter bedauern, dass die Gelegenheit zur Auflockerung der innerstädtischen Architektur – immerhin befindet sich das Grundstück im Sanierungsgebiet ‚Ehemalige Altstadt“ – nicht genutzt wurde. Bevor die neuen Bauarbeiten begannen, war die Abrissfläche für Wochen bepflanzt worden.
Vorstellung von grüner Oase
Angrenzend an den Lenné-Park hätten sich viele Frankfurter eine Fortführung der grünen Oase in der City vorstellen können. Zumal nach dem Verschwinden des alten Warenhauses plötzlich der Blick frei war auf die dahinter stehende katholische Kirche Heilig Kreuz. Die Hanseatische Grundbesitz- und Vermögensverwaltungsgesellschaft (HGV) aus Stade lockt Frankfurts Stadtväter hingegen seit dem Jahr 2001 mit einem nagelneuen Komplex aus Hotel, Fachmärkten und Wohnungen für Investitionen in Höhe von 17,5 Millionen Euro.
Das mit dem Hotel wird dann doch nichts, auch die Wohnungen werden nicht gebaut – immer wieder korrigiert der Investor seine Pläne, zieht sich für ein Jahr sogar ganz zurück und lässt die Frankfurter zappeln. Wieviel ‚Kaufland“ braucht und verkraftet Frankfurt, fragen Spötter unterdessen. Denn der umstrittene Neubau dient offenbar in erster Linie dieser Handelskette, die im ‚Quartier konsument“ immerhin die dritte Kaufland-Filiale der Stadt mit 3000 Quadratmetern Verkaufsfläche eröffnen will. Das ist der einzige sichere Mieter in dem Neubau-Projekt. Aus weiteren, angekündigten Fachgeschäften sind inzwischen ‚Billig-Läden“ geworden, konkrete Namen vermag niemand zu nennen.
Stadtverwaltung und Stadtparlamentarier sind durch das nervenaufreibenden Hin und Her offenbar so zermürbt, dass sie jede Forderung des Investors erfüllen. Selbst der Erhöhung der Handelsfläche von 5000 auf 6350 Quadratmeter wird zugestimmt, da die HGV nunmehr mit dem Handelsmagneten ‚Mediamarkt“ als neuem Mieter lockt. Doch auch der springt wieder ab, da es in dem Neubau-Komplex angeblich zu wenige Parkplätze geben wird. Letztlich, so wird der Beobachter den Eindruck nicht los, haben sich Frankfurts Stadtväter ganz schön an der Nase herumführen lassen.
Investor ignoriert Architekten
Besonders ärgerlich: Im Vorfeld hatte Frankfurt extra einen Architektenwettbewerb veranstaltet. Sieger wurde der Entwurf eines Chemnitzer Architekturbüros, der eine modern-stylische Metallverkleidung für die Fassade vorsah.
Der Investor hingegen ignoriert diese Vorgaben, spricht von Sichtbeton statt Rohbau und will bis auf ein wenig Farbe alles so lassen, wie es jetzt ist. Wann die unansehnliche überdimensionierte Kaufhalle im Herzen von Frankfurt (Oder) überhaupt öffnen wird, vermag momentan niemand zu sagen.
via: lr-online.de Von Jeanette Bederke