Kampf ums Glück in Ffo

Die Schmach wegen der verlorenen Spielbank sitzt in Frankfurt Oder (ffo) tief

JEANETTE BEDERKE
Die Stadt Frankfurt macht längst nicht gute Miene zu jedem bösen Spiel. Jetzt wird juristisch zurückgeschlagen.
Zunächst platzte im vergangenen Sommer der Traum von Deutschlands östlichster Nobel-Spielbank. Jahrelang hatte man um eine Konzession für das so genannte Große Spiel und die damit verbundenen Einnahmen für das klamme Stadtsäckel gekämpft und letztlich doch verloren.

Die Investoren sprangen ab, Immobilien erwiesen sich als ungeeignet für den Zockerstandort. Fachleute aus der Branche warnten: Ein klassisches Spielcasino an diesem Ort wäre der sichere Ruin. Und schließlich bescheinigte das Brandenburger Innenministerium anhand einer Marktanalyse auch noch, was Skeptiker schon ahnten: In der Oderregion gibt es für kostspieliges Roulette, Black Jack und Poker zu wenige Menschen mit dickem Geldbeutel.

Die von Oberbürgermeister Martin Patzelt (CDU) erhofften Glücksspielabgaben in Höhe von 15 Prozent der Casino-Bruttoerträge entpuppten sich als Fata Morgana. Dieser endgültige Schlag aus Potsdam war hart und schmerzt an der Oder offenbar noch immer. Wie sonst ist zu erklären, dass die Frankfurter Stadtverwaltung nunmehr das Innenministerium verklagen will. Grundlage dafür sind zwei Rechnungen aus Potsdam, die den Frankfurtern kurz vor Weihnachten ins Rathaus geflattert waren.

15 000 Euro sind laut einem Gebührenbescheid für die Beantragung der Spielbank-Konzession zu zahlen, obwohl die Konzession letztlich gar nicht erteilt wurde. Das Wirtschaftsgutachten – vom Innenministerium in Auftrag gegeben, um die Möglichkeiten für eine Spielbank in Frankfurt auszuloten – wird der Oderstadt gar mit 19 000 Euro in Rechnung gestellt. Dabei hatten die Stadtväter diese Marktanalyse nicht einmal selbst studieren dürfen. Das wollen sie nun nachholen und verlangen Akteneinsicht.

Doch damit nicht genug, klagen wollen die Oderstädter auch gegen die Art und Weise der Konzessionsvergabe für das “Kleine”, also das Automatenspiel. Während die Kommune eigens eine stadteigene Spielbankgesellschaft gegründet hatte und vom großen Geld im Glücksspiel träumte, bemühte sich die Brandenburgische Spielbanken GmbH – bereits Betreiber der Casinos in Potsdam und Cottbus – parallel um die Konzession für das Kleine Spiel an der Oder. Denn dafür bescheinigt das Wirtschaftsgutachten des Innenministeriums durchaus gute Chancen. Den Zuschlag dafür erhielt allerdings die Brandenburgische Spielbanken GmbH, ohne dass die Frankfurter darauf Einfluss hatten. Das sei rechtswidrig, empört man sich an der Oder, die Spielbanken GmbH als Tochtergesellschaft des Landes dürfe nicht einfach eine Pauschalerlaubnis für alle Casinos im Land erhalten. Im innerstädtischen Einkaufszentrum am Frankfurter Oderturm soll im Mai der “Jokers Place” öffnen, die modernste Spielbank Brandenburgs, wie die Investoren betonen. 3,4 Millionen Euro fließen in Umbau und Einrichtung des ehemaligen Bürogebäudes.

Die 60 Automaten haben mit den “einarmigen Banditen” in herkömmlichen Spielhallen nicht viel zu tun, erklärt Klaus Walkenbach, Geschäftsführer der Brandenburgischen Spielbanken GmbH. “Wie beim großen Spiel bieten wir auch Roulette, Poker oder Baccara an. Einziger Unterschied: Die Croupiers sind nicht aus Fleisch und Blut.” Zum Frankfurter Casino gehören zudem eine Bar sowie eine Sport-TV-Teil. Elf Vollzeitarbeitsplätze sollen entstehen.

“Wir setzen unsere Pläne auf jeden Fall um”, versichert Walkenbach, der die ganze Aufregung in Frankfurts Stadtverwaltung nicht versteht. Ein Konzessionsantrag sei nie kostenlos und die Konzessionsvergabe sei ordnungsgemäß verlaufen, erklärt er. Die Würfel sind also längst gefallen. Damit der Rubel in Frankfurt aber so richtig rollen kann, muss sich das künftige Casino jedoch auch gegen Konkurrenz vom östlichen Oderufer durchsetzen. Im polnischen Slubice lockt bereits ein ähnliches Etablissement an die Spieltische.

Quelle: maerkischeallgemeine.de

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